Die Quagga-Muschel im Bodensee

  • Wenn eine Muschel den Bodensee erobert

    Wir sind Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 aus der AG Limnologie des Graf-Zeppelin-Gymnasiums Friedrichshafen. In unserem Projekt beschäftigen wir uns mit einer der aktuell größten ökologischen Herausforderungen im Bodensee: der invasiven Quagga-Dreikantmuschel (Dreissena rostriformis).

    Die Quagga-Muschel kommt ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum und breitet sich seit 2016 stark im Bodensee aus und verursacht erhebliche ökologische und wirtschaftliche Schäden, unter anderem durch das Verstopfen von Trinkwasserleitungen der Bodenseewasserversorgung, von Kühlwasserleitungen und durch das Anheften an Boote.

    Abbildung: Quagga-Muscheln besiedeln eine Metallkette (Kunstharzblock der Bodenseewasserversorgung, Foto: C. Heide)

    Unser Forschungsprojekt

    Im Rahmen der AG Limnologie am Graf-Zeppelin-Gymnasium Friedrichshafen entstand nach einem Besuch des Seenforschungsinstituts Langenargen die Idee, die Ansiedlung der Quagga-Muschel experimentell zu untersuchen. Ziel unseres Projekts war es, nicht-toxische Substrate zu identifizieren, auf denen sich die Muscheln nur schwer anheften können.

    Dazu entwickelten wir am Schülerforschungszentrum Friedrichshafen mit unterschiedlichen Materialien bestückte Käfige, die an zwei Standorten im Bodensee versenkt wurden. Mithilfe einer Unterwasserdrohne führten wir regelmäßige Kontrollen durch. Nach Abschluss der Versuche bestimmten wir die Besiedlungsdichte und Anheftungsfestigkeit der Muscheln und werteten die Daten statistisch aus.

    Unsere Ergebnisse zeigen, dass Quagga-Muscheln selbst innerhalb kurzer Zeit nahezu alle getesteten Oberflächen in großer Zahl besiedeln – auch solche mit Antihaft-Eigenschaften. Eine deutliche Reduktion durch natürliche Fressfeinde konnten wir nicht feststellen. Kraftmessungen ergaben jedoch, dass sich Muscheln von bestimmten Substraten, insbesondere der Beschichtung DURAPEK®, deutlich leichter mechanisch entfernen lassen.

    Besiedlung der Substrate (vorne: Kupfer – Granit – Durapek® – Duraquarz® – Teflon)

    Solche Beschichtungen könnten künftig beispielsweise in Rohrleitungen eingesetzt werden und die Entfernung der Muscheln erheblich erleichtern.

    Für unsere Arbeit erhielten wir den Regionalsieg Südwürttemberg bei Jugend forscht Junior sowie den 2. Platz beim Landeswettbewerb 2025. In Folgeprojekten untersuchen wir aktuell die Rolle von Biofilmen bei der Anheftung der Muscheln und arbeiten an der breiten Vermittlung der Quagga-Problematik (siehe „Unsere Mission“).

Unsere Mission

Wir möchten die Öffentlichkeit fundiert und verständlich über die Quaggamuschel zu informieren – mit dem Ziel, ihre weitere Verbreitung aktiv zu reduzieren. Ein zentraler Übertragungsweg sind dabei Wassersportlerinnen und Wassersportler: Beim Einwassern von Booten, SUP-Boards oder anderem Wassersportmaterial können Larven der Quaggamuschel an Geräten, in Restwasser oder in feuchten Bereichen haften bleiben. Wird das Material nach dem Auswassern nicht gründlich gereinigt und anschließend in einem anderen Gewässer genutzt, können die Larven unbeabsichtigt in neue Seen eingeschleppt werden.

Durch wissenschaftlich gestützte Informationen, praktische Hinweise und klare Handlungsempfehlungen möchten wir dazu beitragen, dass Wassersportgeräte nach der Nutzung im Bodensee konsequent gereinigt, getrocknet und kontrolliert werden. Jede einzelne Maßnahme hilft, die Ausbreitung dieser invasiven Muschel einzudämmen – und unsere Seen langfristig zu schützen.

Was kann ich als Wassersportler tun?

Abbildung: Flyer der IGKB zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung von invasiven Arten